Die neue Wharfedale Denton 1S ist ein kompakter Lautsprecher, der auf den ersten Blick vor allem durch sein ungewöhnliches Konzept auffällt. Doch hinter dem vergleichsweise unscheinbaren Gehäuse steckt jede Menge Entwicklungsarbeit. Und genau darüber konnte ich mit einem Mann sprechen, der es wissen muss: Peter Comeau, Director of Acoustic Design bei IAG und einer der renommiertesten Lautsprecherentwickler der HiFi-Branche, war bei mir im Studio zu Gast!
Gemeinsam haben wir uns ausführlich über die neue Wharfedale Denton 1S unterhalten, aber auch über Lautsprecherentwicklung im Allgemeinen. Wie entsteht ein neuer Lautsprecher? Welche Rolle spielen Messungen und Hörtests? Und wie gelingt es, einen Lautsprecher so abzustimmen, dass er nicht nur an ausgesuchter High-End-Elektronik, sondern auch an ganz normalen Verstärkern überzeugend klingt?
Unser Gespräch war ausgesprochen informativ, unterhaltsam und hat uns beiden jede Menge Spaß gemacht. Im Anschluss an das Interview habe ich mir die Denton 1S noch einmal ganz genau angesehen und natürlich auch ausführlich angehört.
Wharfedale Denton 1S: Ein moderner Lautsprecher mit großer Tradition
Wharfedale gehört zu den traditionsreichsten Lautsprecherherstellern der Welt. Das britische Unternehmen wurde bereits 1932 gegründet und hat im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Lautsprecherklassiker hervorgebracht. Die Denton gehört zweifellos dazu.
Mit der neuen Wharfedale Denton 1S geht der Hersteller allerdings einen bemerkenswerten Weg. Statt einfach nur das klassische Konzept eines Zweiwege-Lautsprechers mit getrennt angeordnetem Hoch- und Tiefmitteltöner fortzuführen, setzt Wharfedale auf eine moderne Koaxialkonstruktion. Dabei befinden sich Hoch- und Tiefmitteltöner auf einer gemeinsamen Achse. Das Ziel ist eine möglichst gleichmäßige Schallabstrahlung und eine präzise räumliche Wiedergabe.
Gerade bei kompakten Lautsprechern kann ein solches Konzept erhebliche Vorteile bieten. Allerdings ist die Entwicklung eines guten Koaxialchassis alles andere als trivial. Schließlich müssen zwei unterschiedliche Treiber akustisch und mechanisch so aufeinander abgestimmt werden, dass sie möglichst harmonisch zusammenarbeiten. Genau hier kommt die Erfahrung von Peter Comeau ins Spiel.
Peter Comeau im Interview: Wie entwickelt man einen guten Lautsprecher?
Für mich war der Besuch von Peter Comeau ein besonderes Highlight. Schließlich hat er im Laufe seiner Karriere zahlreiche Lautsprecher entwickelt und geprägt. Heute verantwortet er als Director of Acoustic Design bei IAG unter anderem die Entwicklung neuer Wharfedale-Modelle. Im Interview sprechen wir natürlich ausführlich über die Denton 1S. Aber es geht auch um grundsätzliche Fragen der Lautsprecherentwicklung.
Besonders interessant fand ich Peters Philosophie bei der Abstimmung eines Lautsprechers. Denn ein Entwickler weiß schließlich nicht, an welchem Verstärker sein Lautsprecher später betrieben wird. Vielleicht ist es ein kleiner Vollverstärker für wenige Hundert Euro, vielleicht aber auch eine ausgesprochen hochwertige High-End-Kombination. Deshalb ist es Peter Comeau wichtig, Lautsprecher zu entwickeln, die mit möglichst unterschiedlichen Verstärkern harmonieren und nicht erst unter ganz bestimmten Bedingungen ihr Potenzial entfalten.
Gerade bei einem vergleichsweise erschwinglichen Kompaktlautsprecher wie der Wharfedale Denton 1S halte ich diesen Ansatz für ausgesprochen sinnvoll. Und natürlich sprechen wir auch darüber, wie viel klassische britische Lautsprechertradition eigentlich noch in einem modernen Wharfedale-Lautsprecher steckt.
Koaxialtechnik: Was macht die Wharfedale Denton 1S besonders?
Das technische Herzstück der Denton 1S ist ihr Koaxialchassis. Wharfedale kombiniert einen 165 Millimeter großen Tiefmitteltöner mit einer 25-Millimeter-Seidenkalotte, die zentral im Chassis angeordnet ist. Der wesentliche Unterschied zu einem konventionellen Zweiwege-Lautsprecher besteht darin, dass Hoch- und Tiefmitteltöner nicht räumlich voneinander getrennt auf der Schallwand sitzen. Bei einem klassischen Lautsprecher entstehen durch die unterschiedlichen Positionen der Chassis Laufzeit- und Phasenbeziehungen, die bei der Entwicklung berücksichtigt werden müssen. Ein Koaxialsystem kann hier Vorteile bieten, weil die beiden Treiber aus einer gemeinsamen Richtung abstrahlen.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder Koaxiallautsprecher besser klingt. Auch hier kommt es auf die konkrete Konstruktion, die Frequenzweiche und vor allem auf die sorgfältige Abstimmung an. Wharfedale setzt bei der Denton 1S auf eine Trennfrequenz von rund 2.600 Hertz. Der angegebene Frequenzgang reicht von 50 Hertz bis 20 Kilohertz. Für einen Lautsprecher dieser Größe sind das durchaus interessante technische Voraussetzungen.
Kompakt, flexibel und erstaunlich vielseitig
Die Wharfedale Denton 1S ist mit ihren Abmessungen von 33 Zentimetern Höhe, 23,6 Zentimetern Breite und 22,9 Zentimetern Tiefe ein vergleichsweise kompakter Lautsprecher. Das Gehäuse besitzt ein Volumen von rund 11,5 Litern und bringt etwa 6,8 Kilogramm auf die Waage. Besonders interessant finde ich die Möglichkeiten bei der Aufstellung. Denn die Denton 1S ist keineswegs ausschließlich für den klassischen Betrieb auf Lautsprecherständern vorgesehen.
Auf der Rückseite befinden sich neben den Lautsprecheranschlüssen auch eine Bassreflexöffnung, ein Präsenzschalter und eine Vorrichtung zur Wandmontage. Damit eröffnet Wharfedale unterschiedliche Möglichkeiten, den Lautsprecher in den Wohnraum zu integrieren. Der Präsenzschalter erlaubt zudem eine Anpassung der Wiedergabe an die persönlichen Vorlieben beziehungsweise die akustischen Gegebenheiten. Im Video zeige ich euch diese Details ausführlich und erkläre, worauf man bei der Aufstellung achten sollte.
Welche Verstärker passen zur Wharfedale Denton 1S?
Eine der interessantesten Fragen bei einem Lautsprechertest lautet natürlich: Wie anspruchsvoll ist der Lautsprecher gegenüber dem angeschlossenen Verstärker? Wharfedale empfiehlt für die Denton 1S Verstärker mit einer Ausgangsleistung zwischen 30 und 100 Watt. Der Wirkungsgrad liegt bei 88 Dezibel, die Nennimpedanz bei 8 Ohm. Das sind zunächst einmal recht praxisgerechte Werte.
Wie Peter Comeau im Interview erläutert, war es bei der Entwicklung ausdrücklich das Ziel, einen Lautsprecher zu schaffen, der mit einer möglichst großen Bandbreite unterschiedlicher Verstärker harmoniert. Man benötigt also keineswegs einen sündhaft teuren High-End-Verstärker, um mit der Denton 1S überzeugend Musik hören zu können.
Für meinen Test habe ich dennoch hochwertige Elektronik eingesetzt. Das hat einen einfachen Grund: Ich möchte bei einem Lautsprechertest möglichst genau herausfinden, welches klangliche Potenzial tatsächlich in einem Lautsprecher steckt. Ein hochwertiger Verstärker kann dabei helfen, mögliche klangliche Grenzen des Lautsprechers deutlicher zu erkennen. Daraus sollte man allerdings nicht den Schluss ziehen, dass eine solche Kombination zwingend erforderlich ist.
Wharfedale Denton 1S: Viel Lautsprecher fürs Geld?
Mit einem Paarpreis von rund 850 Euro bewegt sich die Wharfedale Denton 1S in einer ausgesprochen interessanten Preisklasse.
Hier gibt es bereits eine große Auswahl guter Kompaktlautsprecher. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an einen Hersteller wie Wharfedale.
Die Denton 1S bringt allerdings einige Eigenschaften mit, die sie von vielen Mitbewerbern unterscheiden. Dazu gehören das aufwendige Koaxialchassis, die flexible Aufstellung einschließlich Wandmontage und nicht zuletzt die Abstimmung durch einen so erfahrenen Entwickler wie Peter Comeau.
Ob das Gesamtpaket auch klanglich überzeugen kann, erfahrt ihr in meinem ausführlichen Videotest.
Wharfedale Denton 1S im Test bei WE LOVE HIFI
Dieses Video ist für mich etwas ganz Besonderes geworden. Nicht nur, weil ich die neue Wharfedale Denton 1S für einen ausgesprochen interessanten Lautsprecher halte, sondern vor allem wegen meines Studiogastes. Peter Comeau hat sich viel Zeit genommen, um mit mir über die Entwicklung der Denton 1S und über Lautsprechertechnik im Allgemeinen zu sprechen.Dabei ging es keineswegs nur um technische Daten, sondern auch um die Philosophie hinter einem guten Lautsprecher. Und ganz nebenbei hatten wir bei unserem Gespräch jede Menge Spaß.
Im zweiten Teil des Videos widme ich mich dann ausführlich der Wharfedale Denton 1S selbst. Ich zeige euch die Konstruktion, die Ausstattung und die Besonderheiten des Lautsprechers und berichte natürlich auch von meinen persönlichen Höreindrücken.

