Der Canor Virtus A3 ist weit mehr als nur ein Vollverstärker. Der außergewöhnliche All-in-One-Verstärker aus der Slowakei kombiniert Röhren- und Transistortechnik, einen hochwertigen DAC, eine Phonovorstufe für MM- und MC-Tonabnehmer sowie einen leistungsfähigen Kopfhörerverstärker in einem einzigen, ausgesprochen aufwendig konstruierten Gerät. In meinem Video habe ich mir den Canor Virtus A3 ausführlich angesehen und natürlich auch gehört.
Canor ist seit vielen Jahren vor allem für hochwertige Röhrenelektronik bekannt. Beim Virtus A3 geht der Hersteller allerdings einen besonderen Weg und kombiniert seine Erfahrung mit Röhrentechnik mit einer modernen, leistungsfähigen Transistor-Endstufe. Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher Hybrid-Vollverstärker, der klassische High-End-Tugenden mit einer für diese Geräteklasse erstaunlich umfangreichen Ausstattung verbindet.
Canor Virtus A3: Röhre und Transistor clever kombiniert
Das Herzstück des Canor Virtus A3 ist seine aufwendige Hybrid-Endstufe. Zwei E88CC-Röhren arbeiten in der Eingangsstufe, während die eigentliche Leistungsbereitstellung durch eine spezielle Class-A/AB-Schaltung erfolgt. Canor bezeichnet das Konzept als „Current Dumping“: Eine kleinere Class-A-Stufe kontrolliert permanent das Musiksignal und die angeschlossenen Lautsprecher, während eine leistungsfähigere Class-AB-Stufe bei Bedarf den notwendigen Strom bereitstellt.
Damit verbindet Canor zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten: den Charme und die besonderen Eigenschaften einer Röhrenstufe mit der Leistung und Kontrolle einer kräftigen Transistorendstufe.
Und Leistung ist beim Virtus A3 reichlich vorhanden. Canor gibt 2 × 100 Watt an 8 Ohm und 2 × 150 Watt an 4 Ohm als IHF-Dynamikleistung an. Damit ist der Verstärker keineswegs nur für besonders wirkungsgradstarke Lautsprecher interessant, sondern sollte mit einer großen Bandbreite moderner Lautsprecher problemlos zurechtkommen.
Konsequenter Dual-Mono-Aufbau
Technisch betreibt Canor beim Virtus A3 beträchtlichen Aufwand. Die analogen und digitalen Signalwege sind im Dual-Mono-Prinzip aufgebaut. Beide Kanäle besitzen weitgehend voneinander unabhängige Stromversorgungen und Signalwege. Auch der analoge Signalweg ist symmetrisch aufgebaut und setzt auf diskrete Schaltungen statt auf klassische Operationsverstärker im direkten Signalweg.
Der Verstärker bringt dabei satte 18 Kilogramm auf die Waage und misst 435 × 130 × 460 Millimeter. Das ist kein kleiner Lifestyle-Verstärker, sondern ausgewachsene High-End-Elektronik – trotz der vergleichsweise eleganten und reduzierten Optik.
DAC bereits eingebaut
Wer seine Musik überwiegend digital hört, benötigt beim Canor Virtus A3 nicht zwingend einen zusätzlichen D/A-Wandler. Canor integriert gleich zwei ESS ES9038Q2M DACs im Dual-Mono-Aufbau.
Neben zwei koaxialen und zwei optischen Digitaleingängen steht ein AES/EBU-Anschluss zur Verfügung. Besonders interessant ist USB-C: Darüber verarbeitet der Virtus A3 PCM-Daten bis 32 Bit/768 kHz sowie natives DSD bis DSD512. Der USB-Eingang ist galvanisch isoliert und wird intern neu getaktet, um Störungen vom angeschlossenen Computer möglichst vom Audiosignal fernzuhalten.
Damit ist der Virtus A3 nicht einfach ein analoger Verstärker mit einem zusätzlich eingebauten Standard-DAC, sondern als moderne Schaltzentrale für analoge und digitale Quellen konzipiert.
Phonovorstufe für MM und MC
Auch Vinyl-Fans hat Canor nicht vergessen. Im Virtus A3 steckt eine diskret aufgebaute Phonovorstufe für MM- und MC-Tonabnehmer. Für unterschiedliche Tonabnehmer stehen verschiedene Verstärkungs- und Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich bequem über das Bedienmenü auswählen lassen.
Damit kann eine komplette hochwertige Anlage tatsächlich aus dem Virtus A3, einem Plattenspieler, einem digitalen Zuspieler und einem Paar Lautsprecher bestehen.
Gerade das macht den Canor für mich interessant: Er ist zwar kompromisslos als High-End-Verstärker konstruiert, verlangt seinem Besitzer aber nicht zwangsläufig einen ganzen Gerätepark ab.
Auch Kopfhörer kommen nicht zu kurz
Selbst beim Kopfhörerausgang begnügt sich Canor nicht mit einer einfachen Zusatzschaltung. Der Virtus A3 besitzt einen diskret aufgebauten, symmetrischen Kopfhörerverstärker.
Neben dem klassischen 6,3-mm-Klinkenausgang befindet sich deshalb auch ein 4-poliger XLR-Anschluss für symmetrisch betriebene Kopfhörer an der Front. Dazu kommen variable Cinch- und XLR-Ausgänge, über die sich beispielsweise zusätzliche Endstufen oder aktive Subwoofer integrieren lassen.
Ungewöhnliche Bedienung mit Touchscreen im Lautstärkeregler
Ein echter Hingucker ist der große zentrale Drehregler auf der Front. In dessen Mitte sitzt ein 1,3 Zoll großes Touchdisplay, über das sich die umfangreichen Funktionen des Canor Virtus A3 bedienen lassen. Das Display ist damit nicht einfach nur eine Pegelanzeige, sondern Bestandteil des Bedienkonzepts.
Das ist für einen Hersteller, den viele HiFi-Fans zunächst mit traditioneller Röhrentechnik verbinden, ein bemerkenswert moderner Ansatz.Trotzdem bleibt das Gerät optisch angenehm zurückhaltend. Keine Armada aus Schaltern und Anzeigen, sondern eine klare Front und ein zentrales Bedienelement.
Ein echter All-in-One-Verstärker für High-End-Anlagen
Der Begriff „All-in-One“ wird im HiFi-Bereich inzwischen sehr großzügig verwendet. Beim Canor Virtus A3 trifft er allerdings ziemlich gut zu.
Verstärker, DAC, Phonovorstufe und Kopfhörerverstärker befinden sich in einem Gehäuse. Dazu kommen symmetrische und unsymmetrische Analoganschlüsse, zahlreiche digitale Eingänge und eine kräftige Hybrid-Endstufe. Der Preis liegt bei rund 6.000 Euro.
Das ist natürlich eine Menge Geld. Man sollte beim Preis allerdings berücksichtigen, wie viele hochwertige Einzelkomponenten der Virtus A3 ersetzt.
Canor Virtus A3 im Test bei WE LOVE HIFI
Mich hat vor allem interessiert, wie sich dieses ungewöhnliche Gesamtkonzept in der Praxis schlägt. Kann die Kombination aus Röhre, Class-A-Schaltung und kräftiger Transistor-Endstufe tatsächlich die jeweiligen Vorteile der unterschiedlichen Technologien miteinander verbinden? Wie gut sind DAC und Phonovorstufe? Und schafft es ein derart komplex ausgestatteter All-in-One-Verstärker trotzdem, wie ein echter High-End-Vollverstärker aufzutreten?
Genau darum geht es in meinem Video zum Canor Virtus A3. Ich zeige euch den Verstärker ausführlich, gehe auf seine außergewöhnliche Technik und Ausstattung ein und erzähle natürlich auch, wie er sich in meiner Anlage geschlagen hat.

